Wasservergiftung

Filterzentrale · Zuletzt aktualisiert: 06.08.2025
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Wasservergiftung


Während die Dehydratation – also der Flüssigkeitsmangel im Körper – vielen Menschen bekannt ist, wird die gegenteilige Problematik, die Hyperhydration oder sogenannte Wasservergiftung, häufig unterschätzt. Beide Zustände können lebensbedrohlich sein und haben eines gemeinsam: eine gestörte Flüssigkeitsbalance im Körper.

Was ist Hyperhydration bzw. Wasservergiftung?

Bei einer Wasservergiftung (auch: Hyponatriämie) nimmt der Körper in kurzer Zeit zu viel Wasser auf. Obwohl Wasser lebensnotwendig ist und unser Körper zu etwa 60 % daraus besteht, braucht er zusätzlich eine ausgewogene Zufuhr von Salzen (Elektrolyten), Mineralien und Nährstoffen. Wird zu viel Wasser aufgenommen, ohne gleichzeitig Elektrolyte zuzuführen, gerät der Salzhaushalt aus dem Gleichgewicht – insbesondere der Natriumspiegel im Blut sinkt gefährlich ab.

Wie entsteht eine Wasservergiftung?

Trinkt man innerhalb weniger Stunden mehrere Liter Wasser – zum Beispiel fünf bis sechs Liter in drei Stunden – überfordert das die Nieren und den gesamten Stoffwechsel. Der Körper kann das überschüssige Wasser nicht schnell genug ausscheiden.

Was passiert im Körper?


Durch den Natriummangel kommt es zur Osmoseverschiebung: Der Körper versucht, die Salzkonzentration in den Zellen und außerhalb auszugleichen. Wasser dringt in die Zellen ein – diese schwellen an. Besonders gefährlich ist das im Gehirn, das sich aufgrund des knöchernen Schädels nicht ausdehnen kann. Es entsteht ein Hirnödem. Auch die Lunge kann Wasser einlagern – eine sogenannte Lungenödem entsteht. In extremen Fällen führt dies zum Versagen lebenswichtiger Organe.

Symptome einer Wasservergiftung


Die Beschwerden hängen vom Ausmaß der Hyperhydration ab. Mögliche Symptome sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Muskelkrämpfe
  • Verwirrtheit und Desorientierung
  • Atemnot
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
  • im schlimmsten Fall: Tod durch Organversagen oder Hirndruck
Die Symptome ähneln teils denen anderer Erkrankungen, weshalb eine ärztliche Diagnose wichtig ist.

Was tun bei einer Wasservergiftung?


Wenn der Verdacht auf eine Wasservergiftung besteht:

  • Sofortiges Abbrechen der Wasserzufuhr
  • Zufuhr von Elektrolyten, z. B. durch salzhaltige Lebensmittel (Brühe, Salzstangen)
  • Schnelle medizinische Hilfe – Notruf wählen! Im Krankenhaus kann mithilfe von Infusionen, Medikamenten und Diuretika (entwässernde Mittel) der Natriumspiegel korrigiert und überschüssiges Wasser ausgeschieden werden. Der Ausgleich des Elektrolythaushalts kann mehrere Tage dauern und erfordert engmaschige Überwachung.

Wer ist besonders gefährdet?

Bestimmte Gruppen sind anfälliger für eine Hyperhydration:

  • Ausdauersportler, vor allem Anfänger, die große Mengen Wasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust beim Schwitzen auszugleichen – oft ohne Elektrolytzufuhr.
  • Babys unter 6 Monaten, deren Nieren noch nicht ausgereift sind und überschüssiges Wasser nur eingeschränkt ausscheiden können.
  • Teilnehmer an Wettkämpfen, bei denen übermäßig viel getrunken wird (z. B. „Wetttrinken“). In mehreren dokumentierten Fällen kam es hierbei sogar zum Tod.
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen, z. B. Polydipsie bei Schizophrenie, die zu zwanghaftem Trinken führt.

Weltweit sind rund 250 Todesfälle von Ausdauersportlern dokumentiert, die an einer Wasservergiftung starben – ein vermeidbares Risiko.

Wie viel Wasser sollten Sie trinken?

Die richtige Trinkmenge hängt von verschiedenen Faktoren ab: Alter, Körpergewicht, Aktivitätslevel, Temperatur und Gesundheitszustand. Eine zu geringe Zufuhr ist ebenso gefährlich wie eine übermäßige.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt:

Erwachsene: ca. 1,5 Liter Wasser pro Tag über Getränke – zusätzlich zu Wasser aus der Nahrung (Obst, Gemüse, Suppen usw.)

Bei Hitze oder Sport: entsprechend mehr, dabei aber nicht nur Wasser, sondern auch elektrolythaltige Getränke konsumieren

Fazit:
Wasser ist lebenswichtig – aber auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. Eine ausreichende, aber nicht übertriebene Flüssigkeitszufuhr in Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung ist der beste Schutz vor Dehydratation und Hyperhydration. Bei Unsicherheit – etwa nach intensivem Sport oder ungewöhnlichem Durstgefühl – gilt: Hören Sie auf Ihren Körper und achten Sie auf die Signale. Und im Zweifel: ärztlichen Rat einholen.